Jens Gerlach |
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Ich war über die
Antisemmitismus-Kommentare anlässlich
der diesjährigen Berlinale echt geschockt, aber nicht wegen
der
Aussagen des israelischen Regisseurs Yuval Abraham, der darauf hinwies,
dass für seinen Kollegen Basel Adra in Israel nicht die
gleichen
Rechte wie für ihn gelten, auch nicht wegen des Hinweises des
amerikanischen Filmemachers Ben Russel, der auf einen drohenden Genozid
im Gaza-Streifen hinwies, sondern wegen
der gebetsmühlenartig
auswendig gelernten Empörungen der deutschen selbsternannten
Hüter der Wahrheit.
Wohin solche unbedachten und dummen Anschuldigungen ohne sachlichen
Hintergrund führen, musste der betroffene Regisseur Yuval Abraham
dann leider selbst erfahren. Er und seine Familie werden vom rechten
israelischen Mob bedroht .
Besonders nachdenklich machen mich seine Worte:
„Der entsetzliche Missbrauch
dieses Wortes durch Deutsche, nicht nur um palästinensische
Kritiker Israels zum Schweigen zu bringen, sondern auch um Israelis wie
mich zum Schweigen zu bringen, die einen Waffenstillstand
unterstützen, der das Töten in Gaza beenden und die
Freilassung der israelischen Geiseln ermöglichen würde,
entleert das Wort Antisemitismus seiner Bedeutung und gefährdet
damit Juden in der ganzen Welt.
Ich finde ich es besonders
empörend, dass deutsche Politiker im Jahr 2024 die Dreistigkeit
besitzen, diesen Begriff in einer Weise gegen mich zu verwenden, die
meine Familie gefährdet.“
Es ist doch eine für jeden sichtbare Tatsache, dass, wie von
Human
Rights Whatch ,
Amnesty International
oder der israelischen NGO B'tselem
mehrfach
festgestellt, Israel eine
Apartheid-Gesellschaft ist
.
Der Internationale Gerichtchtshof in Den Haag hat in seinem Urteil
darauf hingewiesen, dass der Genozid-Vorwurf nicht einfach abgetan
werden kann und Israel aufgefordert, entspechende Maßnahmen
zu
ergreifen .
Die ideologichen Grundlagen für einen
Genozid liefern
israelische Regierungsmitglieder gleich selbst, indem sie Palestinenser
als menschliche Tiere
bezeichnen, behaupten so etwas wie
Palestinenser
gäbe es nicht
oder gleich eine Atombome auf den
Gaza-Streifen
fordern
.
Also ist es doch völlig legal, in einer öffentlichen
Meinungsäußerung auf diese Probleme hinzuweisen. Nun
wurde
in diesem Zusammenhang immer wiederholt, man würde damit
Israel
einseitig beschuldigen und nicht auf die Ursachen, nämlich den
Terroranschlag, eingehen. Also, wenn wir Meinungen nur im kausalen
Zusammenhang äußern dürfen, wo
fängt man da an:
Man könnte die Liste weiter führen und tief ins Mittelalter zurückgehen.
Wenn ich dann höre,
dass die Kulturförderung in
Zukunft
abhängig gemacht werden soll von politischen Statements oder
Einstellungen, also einer Antisemitismus-Prüfung, dann
erinnert
das sehr an meine DDR-Zeiten. Da musste man auch erst morgens im "Neuen Deutschland"
nachlesen was man zu sagen und zu denken hatte, um im Staat nicht
anzuecken. Sind wir weider soweit?
"Die traurige Realität hierbei ist: Nicht diejenigen, die
gegen die
Kriegsverbrechen einer rechtsextremen Regierung und Jahrzehnte
Apartheid protestieren, sondern diejenigen, die dies weiterhin
rechtfertigen, sind diejenigen, die Antisemitismus befördern
und
mit ihren haltlosen Anschuldigungen den Antisemitismusbegriff
vollkommen entwerten."(zitiert aus )